Was führt einen Menschen dazu sich ganz bewusst für seine Berufung zu entscheiden?

 


Zwingt Gott ihn dazu, weil ja eh schon alles vorgegeben ist?
Oder ist es eine freie Entscheidung?

Gott ruft einen jeden Menschen in seinen Dienst - jeden auf seine Weise und an seinen Platz. Doch es liegt in der Hand eines jeden sich für oder gegen Gottes Ruf zu entscheiden. Behutsam bittet Gott immer wieder darum, seinem Ruf zu folgen. Doch er verwirft uns nicht, wenn wir uns diesem Ruf widersetzen, sondern wirbt immer wieder erneut vorsichtig und liebend, wie nur er es kann, um unser Ja.

Was aber nun hat mich dazu geführt Ja zu sagen?

Als Kind war ich in einem Kindergarten, der von Schönstätter Marienschwestern geleitet wurde. Und für mich war damals immer klar, ich werde Ordensschwester, wie diese Schwestern. Denn die sind einfach toll.
Als ich dann älter wurde habe ich das alles etwas nüchterner gesehen und mich dann nach einigen Jahren als völlig unvorstellbar, überholt... wie auch immer von diesem Gedanken verabschiedet.
Doch eines ließ mich immer wieder nicht los. Was will ich wirklich mit meinem Leben anfangen? Ist das alles: Zur Schule gehen, später einen Beruf lernen, arbeiten, vielleicht eine Familie haben und dann irgendwann sterben? Steckt hinter meinem Leben überhaupt ein Sinn?
Während all dieser Überlegungen, die mir immer wieder kamen, ging ich sonntags, teils auch wochentags in die Kirche, weil das daheim so üblich war, ohne mir da besondere Gedanken drüber zu machen. Da meine Mutter Küsterin war verbrachte ich einen Großteil meiner Kindheit in katholischem Umfeld. Doch als Kind machte ich mir darüber keine weiteren Gedanken und lief einfach mit. Bei besonderen Aktionen der Schönstätter Jugendbewegung machte ich begeistert mit, doch der Hintergrund des Ganzen, nämlich der Glaube an Gott, die Lehre der Kirche und vieles mehr hatte für mich keine besondere Bedeutung. So ging ich denn eines Tages auch zu einer Anbetung, während das WJT-Kreuz dort weilte. Plötzlich war es mir während der Anbetung, als wenn mich jemand fragte: "Was ist mit dir? Willst du auch ein Teil meiner Jünger sein?" Ich verscheuchte diesen Gedanken sofort und sagte mir selbst, dass das doch alles Quatsch sei.
Doch an diesem Abend packte mich die Anbetung des Allerheiligsten Altarssakramentes auf besondere Weise. Am Ende des Abends zog ich dann noch einen Bibelvers:
"Du zeigst mir den Pfad zum Leben." (Psalm 16,11)
Ab diesem Moment kam immer mehr die Frage in mir auf, was ist wirklich mein Leben. Gehe ich auf eigenen Pfaden? Machen diese mich glücklich? Oder gibt es noch mehr? Steckt wirklich mehr hinter allem, als ich bisher dachte.
So zog es mich immer wieder und immer mehr zur Anbetung hin. Dort hörte ich dann immer wieder den Ruf Gottes:
"Willst du ganz mir gehören, ganz mir dienen?"
Doch dieser Frage habe ich mich immer wieder aufs neue verwehrt. So habe ich stets Gründe dafür gefunden, warum es doch nicht sein kann, dass Gott mich wirklich zum gottgeweihten Leben ruft.
Gründe, die dagegen sprachen waren u.a. zu Beginn:
- keine Lust solche Schwierigkeiten auf sich zu nehmen
- die Angst davor alles nicht zu schaffen
Immer wieder habe ich Gott darauf hingewiesen, dass ich doch eh nur ein miserables Werkzeug wäre, dass zu gar nichts in der Lage ist. Ich habe ihn auf andere Menschen verwiesen, die geeigneter seien und mich gegen alles wiedersetzt, was er sich von mir erbat.
Dennoch hat Gott immer wieder neu um mich und mein Ja geworben. Ganz vorsichtig, leise und zurückhaltend. Er hat mich nicht gezwungen.
Später kamen in mir dann auch andere Überlegungen auf, wie z.B. der Wunsch eine Familie zu gründen, das Gefühl einer solchen Berufung nicht würdig zu sein.
Immer wieder war mir klar, was Gott von mir wünscht, doch erst das Gespräch mit einem Priester brachte mir die Zuversicht, dass ich diesen Weg auch schaffen kann, wenn Gott mich wirklich ruft. Und so habe ich vor über 2 Jahren mein Ja gesprochen zu meiner Berufung ins Kloster. Dieses Ja kam aus eigenem Entschluß und ganz freier Entscheidung.
Danach wurde mir eine solch tiefe Freude geschenkt, dass ich euch allen nur raten kann, hört gut auf Gottes Ruf, denn die freie Entscheidung für euren Weg, egal ob es der Weg der Ehe oder des Lebens im Kloster ist, wird euch eine solche Freude schenken, die euch auf eurem weiteren Weg trägt. All die Schwierigkeiten, die sich auf dem Weg auftun, können wir überwinden im Vertrauen auf Gottes Hilfe, der uns selbst ja auf diesen Weg berufen hat!
In diesem Sinne wünsche ich euch die Bereitschaft Ja zu sagen zu eurem je eigenem und besonderen Weg und die Freude im Herrn sei eure Stärke

Eure Christina

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